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Pferde auf einer grünen Weide als natürliche Quelle für Beta-Carotin und Vitamin A in der Pferdefütterung

Vitamin A und Beta-Carotin beim Pferd: Warum frisches Grün eine besondere Rolle spielt

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Lesezeit 7 min

Pferde nehmen Vitamin A unter natürlichen Bedingungen vor allem über einen Umweg auf: Frische grüne Pflanzen liefern Beta-Carotin, aus dem der Organismus selbst Vitamin A bilden kann.

Während der Vegetationsperiode steht Beta-Carotin reichlich zur Verfügung. Im Winter sinkt die Aufnahme, gleichzeitig kann das Pferd auf zuvor aufgebaute Vitamin-A-Speicher zurückgreifen. Dieses saisonale Versorgungssystem passt zur natürlichen Lebens- und Ernährungsweise des Pferdes.

In moderner Pferdehaltung kann dieser Rhythmus jedoch verändert sein. Wenig Weidegang, lange Heufütterungsperioden oder ausgeprägte Trockenheit können die Zeit mit frischem Grün deutlich verkürzen.

Vitamin A beim Pferd: Welche Aufgaben hat es?

Vitamin A gehört zu den fettlöslichen Vitaminen und übernimmt verschiedene grundlegende Funktionen im Organismus des Pferdes.

Es ist unter anderem beteiligt an:

  • dem Sehvorgang, insbesondere dem Sehen bei geringer Lichtintensität
  • der normalen Entwicklung und Differenzierung von Zellen
  • der Erhaltung von Haut und Schleimhäuten
  • Wachstums- und Entwicklungsprozessen
  • Funktionen des Immunsystems
  • Reproduktion und Embryonalentwicklung

Für die Versorgung ist eine weitere Eigenschaft besonders relevant: Vitamin A kann gespeichert werden. Die Leber dient dabei als wichtiger Speicherort.


Das unterscheidet Vitamin A von Nährstoffen, die kontinuierlich in relativ gleichmäßigen Mengen zugeführt werden müssen.

Beta-Carotin ist die natürliche Vitamin-A-Vorstufe des Pferdes

Frische Pflanzen enthalten kein Vitamin A in der Form, wie es beispielsweise vitaminisierten Mineral- oder Kraftfuttermitteln zugesetzt wird. Sie liefern aber unter anderem Beta-Carotin. Beta-Carotin gehört zu den Carotinoiden und dient dem Pferd als Provitamin A. Der Organismus kann es aufnehmen und daraus Vitamin A bilden.


Besonders hohe Gehalte finden sich in frischem grünen Pflanzenmaterial. Für ein Pferd mit ausreichendem Weidezugang gehört eine hohe Beta-Carotin-Aufnahme daher ganz selbstverständlich zur natürlichen Ernährung.


Auch Untersuchungen an Pferden spiegeln diesen Zusammenhang wider. In einer Studie mit mehr als 300 Pferden wiesen Tiere mit mehr als sechs Stunden Zugang zu frischer grüner Weide deutlich höhere Beta-Carotin-Konzentrationen im Blut auf als Pferde mit geringerem Weidezugang.


Eine zusätzliche Beta-Carotin-Supplementierung ist bei einem Pferd mit ausreichend frischem Grün daher in der Regel nicht notwendig.

Gras Pferd beta-Carotin
Frische pflanzliche Nahrung liefert dem Pferd ausreichend Beta-Carotin als Vorstufe für Vitamin A

Wie bildet das Pferd aus Beta-Carotin Vitamin A?

Beta-Carotin wird im Dünndarm aufgenommen und enzymatisch zu Vitamin-A-Verbindungen weiterverarbeitet. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Beta-Carotin-Oxygenase 1 (BCO1), die Beta-Carotin zunächst zu Retinal spaltet. Daraus können Retinol und anschließend Retinylester entstehen, die unter anderem in der Leber gespeichert werden.


Vereinfacht verläuft der Stoffwechsel so:

Beta-Carotin → Retinal → Retinol → Retinylester → Speicherung oder Nutzung als Vitamin A


Für die ernährungsphysiologische Einordnung wird häufig mit maximal etwa 400 I.E. Vitamin-A-Aktivität pro 1 mg Beta-Carotin gerechnet. Dieser Wert ist jedoch nur ein Orientierungswert. Wie viel Beta-Carotin tatsächlich zu Vitamin A umgewandelt wird, hängt unter anderem von der aufgenommenen Menge, dem Vitamin-A-Status und der Bioverfügbarkeit ab.


Bei guter Vitamin-A-Versorgung kann die Aufnahme und Umwandlung von Beta-Carotin herunterreguliert werden. Aus der Säugerforschung ist hierzu ein Regelkreis über BCO1, den Beta-Carotin-Transporter SR-BI und den Transkriptionsfaktor ISX bekannt. Beim Pferd ist dieser Mechanismus noch nicht in derselben Tiefe untersucht, die equine Ernährungsliteratur beschreibt jedoch ebenfalls eine variable und nicht lineare Umwandlung. Meyer und Coenen schreiben dazu: "Hohe Karotinzufuhr vermag keine Überversorgung mit Vitamin A zu induzieren, da dieUmwandlung in Vitamin A entsprechend eingestellt wird".

Wie viel Beta-Carotin enthalten Gras und Heu?

Naturnahe Fütterung Pferd
Frisches grüne Pflanzen liefern dem Pferd natürlicherweise große Mengen Beta-Carotin

Frische grüne Pflanzen gehören zu den wichtigsten natürlichen Beta-Carotin-Quellen des Pferdes. Die Gehalte hängen dabei unter anderem von Pflanzenalter, Konservierung und Lagerung ab. Meyer und Coenen nennen beispielsweise folgende Größenordnungen:


Futtermittel
Beta-Carotin
Junges Grünfutter / Weide
ca. 50–75 mg/kg
Älteres Grünfutter
ca. 30–50 mg/kg
Frische Grassilage
ca. 40–50 mg/kg
Angewelkte Grassilage
ca. 20–50 mg/kg
Unter Dach getrocknetes Heu
ca. 15–20 mg/kg
Gutes sonnengetrocknetes Heu
ca. 5–10 mg/kg
Künstlich getrocknetes Grünmehl
ca. 100–400 mg/kg

Schon 3–4 kg junges Grünfutter können bei 50–75 mg/kg etwa 150–300 mg Beta-Carotin liefern. Bei einem Pferd auf einer gut bewachsenen Weide kann die tägliche Aufnahme entsprechend deutlich höher liegen.


Mit zunehmender Pflanzenreife sowie durch Trocknung, Licht, Sauerstoff und Lagerung gehen jedoch Teile des Beta-Carotins verloren. Heu enthält deshalb häufig deutlich weniger Beta-Carotin als frisches Grün, wobei die Gehalte je nach Ausgangsmaterial und Herstellung stark schwanken können.


Gerade bei längeren Phasen ohne frisches Grün wie beispielsweise im Winter bei hauptsächlicher oder alleiniger Heufütterung verändert sich deshalb auch die natürliche Beta-Carotin-Zufuhr.

Wie ist das Pferd an saisonale Veränderungen angepasst?

Auch unter natürlichen Bedingungen verändert sich das Futterangebot für Pferde im Jahresverlauf. Während Frühjahr und Sommer liefern frische grüne Pflanzen reichlich Beta-Carotin. Ein Teil davon wird zu Vitamin A umgewandelt und insbesondere in der Leber gespeichert. Mit zunehmender Pflanzenreife und im Winter sinkt die Beta-Carotin-Aufnahme, während das Pferd auf diese Reserven zurückgreifen kann. Nach Angaben des Merck Veterinary Manual können Pferde nach mehreren Monaten auf frischem Grün Vitamin-A-Speicher aufbauen, die anschließend über mehrere Monate zur Verfügung stehen. 


Diese saisonale Anpassung kann durch moderne Haltungsbedingungen verändert werden. Ganzjährige Paddockhaltung, stark eingeschränkter Weidegang, lange Heufütterungsperioden oder anhaltende Trockenheit können die Phase mit frischem Grün deutlich verkürzen. 


Frisches Grün liefert dabei übrigens weit mehr als Beta-Carotin. Es enthält unter anderem weitere Carotinoide, Vitamin E, Polyphenole, zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe und auch Mikroorganismen. Eine naturnahe Fütterung betrachtet deshalb immer die gesamte pflanzliche Vielfalt. Ergänzungsfuttermittel können einzelne Bestandteile gezielt hinzufügen, frisches und abwechslungsreiches Pflanzenmaterial jedoch nicht ersetzen.

Wildpferde
Auch unter natürlichen Bedingungen verändert sich das Futterangebot im Jahresverlauf: Im Herbst und Winter nimmt frisches Grün ab. Pferde sind an diese saisonalen Schwankungen angepasst und können auf zuvor aufgebaute Vitamin-A-Speicher zurückgreifen.

Wann kann eine Beta-Carotin-Ergänzung beim Pferd sinnvoll sein?

Bei ausreichendem Zugang zu frischem Grün besteht normalerweise kein Anlass, zusätzlich Beta-Carotin zu füttern. Interessanter wird eine Ergänzung bei Pferden, deren natürliche Grünfutterzufuhr über längere Zeit eingeschränkt ist, beispielsweise:

  • bei ganzjährig sehr geringem Weidezugang
  • bei langen Heufütterungsperioden
  • nach einer sehr kurzen oder schwachen Weidesaison
  • nach längeren Trockenperioden mit kaum frischem Weideaufwuchs

Auch eventuell enthaltenen Vitamin-A-Quellen der Gesamtration sollten berücksichtigt werden. Viele Mineral- und Kraftfutter enthalten bereits zugesetztes Vitamin A.


Für eine sinnvolle Einschätzung helfen deshalb drei Punkte:

Wie viel frisches Grün hat das Pferd während der vergangenen Monate tatsächlich aufgenommen?

Wie lange dauert die grünarme Phase bereits an?

Welche Vitamin-A- und Beta-Carotin-Quellen enthält die übrige Ration?

Warum wir bei EssentialCarotin auf Beta-Carotin statt zugesetztes Vitamin A setzen

Bei der Entwicklung von EssentialCarotin haben wir uns an der natürlichen Grünfutterversorgung des Pferdes orientiert. Die empfohlene Tagesmenge von 30 g für ein 500-kg-Pferd liefert 200 mg zugesetztes Beta-Carotin 3a160(a).


Diese Menge entspricht einer Größenordnung, die bereits über wenige Kilogramm junges Grünfutter aufgenommen werden kann. Bei etwa 50–75 mg Beta-Carotin pro Kilogramm entsprechen 200 mg ungefähr 2,7 bis 4 kg frischem Grün.


EssentialCarotin enthält bewusst kein zusätzlich zugesetztes Vitamin A. Das Pferd erhält Beta-Carotin als Provitamin A und kann daraus entsprechend seiner physiologischen Regulation Vitamin A bilden.


Da Vitamin A fettlöslich ist und im Körper gespeichert werden kann, kann eine langfristig zu hohe Zufuhr von vorgeformtem Vitamin A zu einer Überversorgung führen. Meyer und Coenen beschreiben bei chronischer oder stoßweise überhöhter Aufnahme unter anderem raues Haarkleid, verminderten Muskeltonus, Depressionen und Ataxien. Knochenschäden wie eine erhöhte Frakturanfälligkeit oder Hyperostosen, die bei anderen Tierarten nach sehr hoher Vitamin-A-Zufuhr beobachtet wurden, sind beim Pferd bislang nicht sicher nachgewiesen. Hohe Beta-Carotin-Aufnahmen sind davon zu unterscheiden: Nach Meyer und Coenen führt eine hohe Carotinaufnahme nicht zu einer entsprechenden Vitamin-A-Überversorgung, da die Umwandlung zu Vitamin A bei hohem Angebot eingeschränkt wird. 


Zur Rezeptur gehören zusätzlich Sanddorn, Grasgrünmehl und Traubenkernmehl. Die pflanzlichen Rohstoffe bringen natürlicherweise unterschiedliche Carotinoide, Polyphenole und weitere Pflanzenbestandteile mit. Leinpresskuchen bildet die pflanzliche Grundlage der 3-mm-Pellets.


Auch diese Kombination ersetzt kein frisches Grün. Sie orientiert sich vielmehr an unserer Fütterungsstrategie, natürliche Quellen möglichst lange zu nutzen und nur dort gezielt zu ergänzen, wo die tatsächliche Ration Lücken entstehen lässt.

Pferd auf der Weide

Fazit: Vitamin A beim Pferd beginnt mit der Betrachtung des Grundfutters

Die Vitamin-A-Versorgung des Pferdes folgt natürlicherweise einem saisonalen Rhythmus. Frische grüne Pflanzen liefern während der Vegetationsperiode reichlich Beta-Carotin. Das Pferd kann daraus Vitamin A bilden und einen Teil davon für spätere Phasen speichern. Im Winter sinkt die Beta-Carotin-Aufnahme, während gespeichertes Vitamin A zur Verfügung steht.


Diese Anpassung funktioniert besonders gut, wenn das Pferd über das Jahr tatsächlich Zugang zu frischem, vielfältigem Pflanzenmaterial hat. Moderne Haltung, wenig Weidegang, lange Heufütterungsperioden und zunehmend auch längere Trockenphasen können diese natürliche Versorgung verändern.


Für eine naturnahe Pferdefütterung bleibt deshalb der wichtigste Ausgangspunkt die tatsächliche Grundration. Frisches Grün nutzen, wo es sinnvoll und möglich ist, saisonale Schwankungen akzeptieren und Ergänzungen gezielt einsetzen, wenn natürliche Quellen über längere Zeit fehlen.

Quellen

  1. Coenen, M. & Meyer, H.: Pferdefütterung. Enke Verlag.
  2. Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE): Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden. DLG-Verlag.
  3. National Research Council (2007): Nutrient Requirements of Horses. 6th Revised Edition. National Academies Press.
  4. Pitel, M. O. et al. (2020): Influence of specific management practices on blood selenium, vitamin E, and beta-carotene concentrations in horses and risk of nutritional deficiency. Journal of Veterinary Internal Medicine, 34, 2132–2141.
  5. EFSA FEEDAP Panel (2025): Assessment of the feed additive beta-carotene (3a160(a)) for all animal species for the renewal of its authorisation. EFSA Journal.
  6. Lobo, G. P. et al. (2010): Regulation des intestinalen Beta-Carotin-Stoffwechsels über BCO1/ISX.