Zink beim Pferd mikrobiomfreundlich füttern
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Zink ist für Pferde ein essentielles Spurenelement und an zahlreichen Stoffwechselprozessen beteiligt. Gleichzeitig ist Zink nicht nur für das Pferd selbst biologisch wirksam: Je nachdem, in welcher Menge und Form es in den Darm gelangt, kann es auch das Darmmikrobiom beeinflussen.
Dieser Zusammenhang macht die Zinkversorgung beim Pferd besonders interessant. Einerseits muss ausreichend Zink zur Verfügung stehen, andererseits zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass eine steigende Zinkzufuhr auch die Zusammensetzung und fermentative Aktivität der fäkalen Mikrobiota verändern kann. Entscheidend ist deshalb viel Zink das Pferd über seine Gesamtration aufnimmt, ob überhaupt ein Ergänzungsbedarf besteht und in welcher Form Zink supplementiert wird.
In diesem Artikel schauen wir uns deshalb genauer an, was die Forschung über Zink beim Pferd und seinen Einfluss auf das Darmmikrobiom zeigt und was daraus für eine gezielte Zinksupplementierung abgeleitet werden kann.
Wie wir Mineralstoffe insgesamt beurteilen und warum wir die Grundration, individuelle Versorgung und mögliche Wechselwirkungen gemeinsam betrachten, erklären wir ausführlicher in unserem Artikel zur naturnahen und mikrobiomfreundlichen Mineralisierung beim Pferd.
Eine Studie, die den Einfluss einer Zinksupplementierung direkt auf das Darmmikrobiom beim Pferd untersucht hat, stammt von Paßlack et al. (2022). Untersucht wurden zehn gesunde Pferde und Ponys. Die Tiere erhielten nacheinander unterschiedliche Zinkmengen aus zwei verschiedenen Zinkquellen: Zinkchloridhydroxid als anorganische Verbindung und Zinkmethionin als organisch gebundene Zinkquelle. Dabei wurden drei Versorgungsstufen untersucht: eine Zinkzufuhr entsprechend der Referenzempfehlung, eine höhere Zinkzufuhr nahe dem damaligen gesetzlichen Höchstwert sowie eine nochmals deutlich höhere Zufuhr. Die einzelnen Fütterungsperioden dauerten jeweils vier Wochen.
Das deutlichste Ergebnis war ein Dosis-Effekt: Mit steigender Zinkzufuhr nahm die Richness, also die Anzahl unterschiedlicher mikrobieller Gruppen in den Kotproben, ab. Gleichzeitig veränderten sich verschiedene Bakteriengruppen. Unter anderem nahm der relative Anteil der Fibrobacteres ab, zu denen wichtige faserabbauende Bakterien gehören. Auch die Konzentrationen von Acetat und der gesamten kurzkettigen Fettsäuren, den SCFA, gingen mit steigender Zinkzufuhr zurück. Die Autoren interpretieren dies als Hinweis auf eine verminderte fermentative Aktivität der fäkalen Mikrobiota bei hohen Zinkzufuhren.
Spielt auch die Zinkquelle für das Mikrobiom eine Rolle?
Neben dem deutlichen Dosis-Effekt zeigten sich auch Unterschiede zwischen den beiden untersuchten Zinkverbindungen. Einige Veränderungen waren unter Zinkchloridhydroxid stärker ausgeprägt als unter Zinkmethionin. So nahm beispielsweise der Shannon-Index, ein Maß für die Vielfalt und gleichmäßige Verteilung der vorhandenen Bakteriengruppen, bei steigender Zufuhr von Zinkchloridhydroxid ab, während dieser Effekt bei Zinkmethionin nicht beobachtet wurde. Auch die n-Butyrat-Konzentrationen waren insgesamt höher, wenn Zinkmethionin gefüttert wurde.
Welche Rolle Butyrat im Pferdedarm spielt und warum diese kurzkettige Fettsäure für die Darmfunktion so interessant ist, erklären wir ausführlicher in unserem Artikel zu Butyrat beim Pferd.
Gerade diese Unterschiede sind für die Frage der Bioverfügbarkeit von Zink beim Pferd interessant. Die Autoren interpretieren die teilweise stärkeren Effekte von Zinkchloridhydroxid dahingehend, dass bei dieser Verbindung höhere Zinkkonzentrationen im Darm zur Verfügung standen und dadurch die Mikrobiota stärker beeinflussen konnten. Umgekehrt sehen sie darin einen Hinweis auf eine höhere Bioverfügbarkeit von Zinkmethionin. Vereinfacht gesagt: Wird mehr Zink bereits im Dünndarm aufgenommen, steht weniger davon im weiteren Darmverlauf zur Verfügung, um dort mit der Mikrobiota zu interagieren.
Für die praktische Fütterung zeigt die Studie damit, warum wir bei einer Zinksupplementierung beim Pferd nicht nur die Zinkmenge, sondern auch die verwendete Zinkverbindung berücksichtigen.
Eine rechnerische Unterschreitung einer Versorgungsempfehlung bedeutet nicht automatisch, dass beim individuellen Pferd bereits ein Zinkmangel vorliegt. Versorgungsempfehlungen sind Referenzwerte für bestimmte Pferdegruppen und keine individuell gemessenen Schwellenwerte. Sie helfen dabei, eine Ration einzuordnen, ersetzen aber nicht die Betrachtung des einzelnen Pferdes und seiner gesamten Fütterung.
Zink ist an zahlreichen physiologischen Prozessen beteiligt, unter anderem an Enzymfunktionen, Haut- und Hornstoffwechsel, Wachstum und Immunfunktion. Ein klinischer Zinkmangel scheint beim Pferd insgesamt selten zu sein. Coenen und Vervuert beschreiben in Pferdefütterung hierzu:
„Mangelerkrankungen wurden bisher nur unter experimentellen Bedingungen erzeugt. Ein Zinkmangel führt zu borkigen Auflagerungen und Verdickungen der Haut (Parakeratose) bei gleichzeitigem Haarausfall und erhöhter Infektionsneigung.“
Gerade deshalb sollte bei unspezifischen Symptomen wie stumpfem Fell, schlechter Hufqualität oder Hautproblemen nicht automatisch auf einen Zinkmangel geschlossen und vorschnell hoch dosiert Zink supplementiert werden. Solche Veränderungen können viele verschiedene Ursachen haben. Gleichzeitig lohnt es sich, auch die verbreitete Annahme kritisch zu hinterfragen, dass Pferde grundsätzlich nicht ausreichend über ihr natürliches Grundfutter mit Zink versorgt werden könnten. Ob und in welchem Umfang zusätzliches Zink notwendig ist, hängt von der tatsächlichen Zusammensetzung der Ration und vom individuellen Pferd ab.
Sinnvoller ist deshalb die Betrachtung des Gesamtbildes: Wie viel Zink liefert das Grundfutter? Gibt es einen plausiblen Mehrbedarf? Welche weiteren Mineralstoffe werden gefüttert und gibt es konkrete Hinweise auf eine unzureichende Zinkversorgung? Erst daraus lässt sich ableiten, ob und in welcher Höhe eine zusätzliche Zinkgabe sinnvoll ist.
Auch eine einzelne Blutmessung liefert dabei nicht immer eine eindeutige Antwort. Eine Untersuchung von Paßlack und Kollegen zeigte, dass steigende Zinkzufuhren die Zinkkonzentration im Mähnenhaar dosisabhängig erhöhten, während die Plasmawerte weitgehend unverändert blieben. Das zeigt, dass die Beurteilung des Zinkstatus beim Pferd komplex ist und nicht allein auf einem einzelnen Laborwert beruhen sollte.
Mögliche Hinweise auf eine unzureichende Zinkversorgung betreffen oft Haar, Haut und Horn: Veränderungen der Haut wie Parakeratose, Haarausfall, Schuppenbildung, schlechte Wundheilung, Entzündungen, Hufhornschäden können bei einem ausgeprägten Zinkmangel auftreten, haben beim Pferd aber auch zahlreiche andere mögliche Ursachen.
Wenn eine zusätzliche Zinkversorgung beim Pferd sinnvoll ist, entscheidet aus unserer Sicht nicht nur die Menge. Auch die verwendete Zinkverbindung, die Gesamtration und die Dauer der Supplementierung spielen eine Rolle. Das Ziel ist dabei eine notwendige Ergänzung so gezielt wie möglich vorzunehmen und eine unnötig hohe oder dauerhafte intestinale Zinkexposition zu vermeiden.
Die Studie von Paßlack et al. zeigt, dass nicht nur die Zinkmenge relevant sein kann. Die beiden untersuchten Zinkverbindungen beeinflussten die fäkale Mikrobiota teilweise unterschiedlich. Einige Effekte waren unter Zinkchloridhydroxid stärker ausgeprägt als unter Zinkmethionin. Die Autoren führen dies auf möglicherweise höhere Zinkkonzentrationen im Darm unter Zinkchloridhydroxid zurück und interpretieren die Ergebnisse umgekehrt als Hinweis auf eine höhere Bioverfügbarkeit von Zinkmethionin. Für uns ist das ein Grund, bei einer notwendigen Zinksupplementierung bevorzugt gut verfügbare Zinkverbindungen einzusetzen.
Wie viel Zink ergänzt werden sollte, lässt sich nicht unabhängig vom Grundfutter beurteilen. Heu, Weide und weitere Futtermittel liefern bereits Zink, wobei die Gehalte zwischen Standorten, Aufwüchsen und Heuchargen variieren können. Deshalb betrachten wir bei einer Zinksupplementierung beim Pferd immer die gesamte Ration. Eine zusätzliche Zinkgabe sollte aus unserer Sicht nicht pauschal erfolgen, sondern dort eingesetzt werden, wo sie aufgrund der Fütterung und der individuellen Situation sinnvoll erscheint.
Gerade vor dem Hintergrund der dosisabhängigen Veränderungen, die Paßlack et al. für die fäkale Mikrobiota beobachtet haben, gilt für uns deshalb: so gezielt wie nötig statt möglichst viel.
Auch eine einmal festgelegte Mineralstoffergänzung muss nicht automatisch das ganze Jahr unverändert weitergefüttert werden. Gerade bei Pferden mit Weidegang verändert sich die Ration saisonal. Aber auch ein Wechsel der Heucharge kann die Mineralstoffzufuhr verändern.
Wir setzen Zink deshalb bevorzugt zeitlich begrenzt ein und bewerten die Versorgung anschließend neu. Ein Zeitraum von etwa zwei Monaten ist für uns dabei ein praktisches Intervall bis zur Neubewertung und keine wissenschaftlich festgelegte Kurdauer.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass in der Studie von Paßlack et al. die untersuchten mikrobiellen Parameter nach einer vierwöchigen Wash-out-Phase mit wieder reduzierter Zinkzufuhr mit der ersten Vergleichsphase vergleichbar waren. Die Studie zeigt damit zumindest, dass die beobachteten Veränderungen unter diesen Versuchsbedingungen nicht zwangsläufig dauerhaft bestehen blieben.
Bei der Zinkversorgung sollte außerdem Kupfer mitgedacht werden. Zwischen beiden Spurenelementen bestehen bekannte physiologische Wechselwirkungen. Eine erhöhte Zinkexposition kann unter anderem die Bildung des Metallbindungsproteins Metallothionein in den Darmzellen fördern. Kupfer bindet mit hoher Affinität daran und kann dadurch stärker in den Enterozyten zurückgehalten werden.
Auch beim Pferd gibt es Hinweise auf eine funktionell relevante Zink-Kupfer-Interaktion, insbesondere bei hohen Zinkzufuhren. Gerade wenn eine unzureichende Kupferversorgung vermutet wird, sehen wir deshalb wenig Sinn darin, gleichzeitig zusätzlich Zink zuzuführen, wenn dafür kein eigener Ergänzungsbedarf besteht. Zink sollte daher nicht isoliert betrachtet werden, sondern immer im Zusammenhang mit der gesamten Mineralstoffversorgung des Pferdes.
Grundration zuerst prüfen
Wie viel Zink kommt bereits über Heu, Weide und weitere Vielfalt an natürlichen Futtermitteln in die Ration?
Nicht nur nach einem einzelnen Referenzwert entscheiden
Eine rechnerische Unterversorgung ist ein Hinweis, aber noch kein Nachweis eines tatsächlichen Zinkmangels beim individuellen Pferd.
Die Zinkmenge im Blick behalten
Paßlack et al. zeigen, dass steigende Zinkzufuhren die Zusammensetzung und fermentative Aktivität der fäkalen Mikrobiota beeinflussen können.
Vorsicht daher vor allem, bei mineralisisierten Kräutermischungen, bei denen der Zusatz von Mineralstoffen nicht immer direkt erwartet wird.
Die Zinkverbindung berücksichtigen
In der Studie unterschieden sich Zinkmethionin und Zinkchloridhydroxid teilweise in ihren Auswirkungen auf die Mikrobiota. Die Autoren interpretieren dies als Hinweis auf Unterschiede in der intestinalen Verfügbarkeit.
Andere Mineralstoffe mitdenken
Besonders Zink und Kupfer können miteinander interagieren. Deshalb sollte eine Ergänzung immer im Zusammenhang mit der gesamten Mineralstoffversorgung betrachtet werden.
Nicht automatisch dauerhaft supplementieren
Heuchargen, Weide und Gesamtration verändern sich. Deshalb sollte auch eine einmal festgelegte Zinkergänzung regelmäßig neu bewertet werden.
So gezielt wie möglich ergänzen
Unser Ansatz lautet deshalb: natürliche Basis, Bedarf prüfen, gezielt ergänzen. Nicht möglichst viele Mineralstoffe gleichzeitig zuführen, sondern die Supplementierung an die aktuelle Ration und das individuelle Pferd anpassen.
Über die Autor:innen und das Team von Natural Equibalance.