Mineralisierung beim Pferd: natürlich, gezielt und mikrobiomfreundlich
|
|
Lesezeit 9 min


|
|
Lesezeit 9 min
Mineralstoffe sind für zahlreiche Vorgänge im Körper des Pferdes unverzichtbar. Trotzdem ist eine möglichst umfangreiche oder hoch dosierte Mineralisierung beim Pferd nicht automatisch die beste Lösung.
Entscheidend ist vielmehr: Was nimmt dein Pferd über seine tägliche Ration bereits auf? Was fehlt tatsächlich? Und in welcher Menge und Form sollte ergänzt werden?
Genau hier setzt unser Konzept einer natürlichen und mikrobiomfreundlichen Mineralisierung beim Pferd an. Die Grundlage bildet eine möglichst vielfältige pflanzliche Ration. Ergänzt wird anschließend gezielt das, was über die bestehende Fütterung nicht ausreichend zur Verfügung steht – statt vorsorglich möglichst viele Mineralstoffe gleichzeitig zuzuführen.
Dabei betrachten wir nicht nur den Bedarf des Pferdes, sondern auch das mikrobielle Ökosystem seines Darms.
Zink, Kupfer, Mangan, Jod, Selen, Magnesium und viele weitere Mineralstoffe erfüllen essenzielle Funktionen im Organismus. Ein Mangel kann deshalb ebenso problematisch sein wie eine langfristig unnötig hohe Zufuhr.
Bedarfswerte helfen dabei, eine Ration einzuschätzen. Sie sind jedoch keine exakte Messung dessen, was ein individuelles Pferd an einem bestimmten Tag benötigt. Lebensphase, Körpergewicht, Leistung, Grundfutter, Futteraufnahme und weitere Faktoren beeinflussen die Versorgung.
Deshalb sollte die Frage bei der Mineralisierung eines Pferdes nicht lauten:
„Wie bekomme ich möglichst alle Mineralstoffe zusätzlich ins Pferd?“
Sondern:
„Was liefert die bestehende Ration – und wo besteht tatsächlich Ergänzungsbedarf?“
Für uns beginnt eine natürliche Mineralisierung beim Pferd nicht mit dem Mineralfutter, sondern mit der Basis der Fütterung.
Dazu gehören vor allem:
Über diese Ration nimmt das Pferd neben Mineralstoffen auch Proteine, Fette, Vitamine, Ballaststoffe und zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe auf.
Wie viele Mineralstoffe tatsächlich im Grundfutter enthalten sind, kann jedoch erheblich variieren. Standort, Boden, Pflanzenbestand, Erntezeitpunkt und Konservierung beeinflussen die Zusammensetzung des Futters. Untersuchungen an Pferdeheu zeigen beispielsweise deutliche Unterschiede in den Mineralstoffgehalten verschiedener Herkünfte.
Natürlich bedeutet deshalb nicht automatisch bedarfsdeckend.
Gerade deshalb ist es sinnvoll, die bestehende Ration zuerst zu betrachten und – wenn eine genaue Einschätzung notwendig ist – das Raufutter analysieren zu lassen.
Klassische Mineralfutter kombinieren viele Mineralstoffe und Vitamine in einem Produkt und orientieren sich häufig pauschal an Bedarfswerten. Dabei wird schnell übersehen, dass ein großer Teil der Versorgung bereits über Heu, Weide und weitere Futtermittel erfolgt.
So können unnötige Überschüsse entstehen. Gleichzeitig beeinflussen sich einzelne Mineralstoffe bei der Aufnahme gegenseitig, sodass eine hohe Zufuhr bestimmter Stoffe die Verfügbarkeit anderer verschlechtern und dadurch sogar eine Unterversorgung begünstigen kann. Gerade Eisen kann die Aufnahme anderer Metallionen wie Zink und Kupfer beeinträchtigen und ist im Grundfutter ohnehin schon im Überschuss vorhanden. Wir jetzt noch zusätzliches Eisen über ein Mineralfutter zugeführt, kann allein das einen Zink- und Kupfermangel bei aktiver Fütterung dieser Mineralstoffe begünstigen.
Hinzu kommt: Nicht vollständig aufgenommene Mineralstoffe gelangen weiter in den Darm und können dort das Mikrobiom beeinflussen. Überschüsse werden zudem ausgeschieden und gelangen über den Kot in die Umwelt.
Eine naturnahe und mikrobiomfreundliche Mineralisierung setzt deshalb nicht auf möglichst viel, sondern auf so gezielt wie nötig. Deshalb lohnt sich der genauere Blick: Welche Mineralstoffe und Vitamine sind bei einer üblichen Pferdefütterung tatsächlich häufiger kritisch und welche meist schon ausreichend abgedeckt?
Eine naturnahe und mikrobiomfreundliche Mineralisierung beim Pferd bedeutet für uns daher nicht, Mineralstoffe grundsätzlich möglichst niedrig zu dosieren. Sie bedeutet, unnötige Ergänzungen zu vermeiden und dort ausreichend zu ergänzen, wo tatsächlich Bedarf besteht.
Ein Blick auf die einzelnen Nährstoffe zeigt, warum eine pauschale Vollversorgung meist nicht notwendig ist. Denn bei einer üblichen, raufutterbasierten Pferdefütterung sind nicht alle Mineralstoffe und Vitamine gleichermaßen kritisch.
Nach Coenen und Vervuert sind beispielsweise Eisen, Kalium, Magnesium, Phosphor und Mangan bei üblichen Rationen häufig ausreichend vorhanden. Auch verschiedene Vitamine wie Vitamin K, B1, B2, B12 und Vitamin C müssen bei gesunden Pferden unter normalen Fütterungsbedingungen in der Regel nicht routinemäßig ergänzt werden.
Genauer hinzuschauen lohnt sich dagegen insbesondere bei:
Kupfer nimmt eine Zwischenstellung ein: Bei ausgewachsenen Pferden kann die Versorgung über das Grundfutter ausreichend sein, während insbesondere bei Zuchtstuten und Fohlen genauer hingeschaut werden sollte.
Für eine mikrobiomfreundliche Mineralisierung bedeutet das: Nicht jeder Nährstoff muss vorsorglich täglich ergänzt werden. Sinnvoller ist es, die Grundration zu kennen und die Aufmerksamkeit vor allem auf diejenigen Mineralstoffe und Vitamine zu richten, bei denen eine Unterversorgung tatsächlich wahrscheinlicher ist.
Der Begriff „mikrobiomfreundliche Mineralisierung“ ist kein wissenschaftlich definierter Fachbegriff. Wir verwenden ihn für ein Fütterungskonzept, bei dem bei der Mineralstoffversorgung neben dem Pferd auch mögliche Auswirkungen auf sein Darmmikrobiom berücksichtigt werden.
Denn nicht jeder Mineralstoff, den ein Pferd aufnimmt, wird vollständig vom Organismus absorbiert. Nicht aufgenommene Anteile können weiter durch den Verdauungstrakt transportiert und schließlich über den Kot ausgeschieden werden.
Damit kommen Mineralstoffe auch mit der mikrobiellen Gemeinschaft des Verdauungstraktes in Kontakt.
Das bedeutet nicht, dass Mineralstoffe für das Mikrobiom grundsätzlich problematisch sind. Im Gegenteil: Auch Mikroorganismen benötigen verschiedene Mineralstoffe für ihre Stoffwechselprozesse.
Entscheidend sind die aber Menge und die Bioverfügbarkeit.
Ein Mineralstoff sollte nicht in der Dosis des Bedarfswertes zugeführt werden, ohne die Menge im Raufutter zu berücksichtigen. Ebenso sollte auf hoch bioverfügbare Mineralstoffverbindungen und Formulierungen geachtet werden.
Besonders gut untersucht ist dieser Zusammenhang bisher für Zink.
In einer Studie von Paßlack und Kolleg wurden zehn gesunde Pferde und Ponys mit unterschiedlichen Zinkmengen sowie zwei verschiedenen Zinkverbindungen gefüttert. Mit zunehmender Zinkzufuhr nahm die mikrobielle Artenreichhaltigkeit (Richness) im Kot ab – unabhängig davon, welche der beiden untersuchten Zinkverbindungen eingesetzt wurde.
Bei hoher Zinkzufuhr veränderte sich außerdem die Zusammensetzung der Mikrobiota. Die relative Häufigkeit unter anderem von Bacteroidetes und Fibrobacteres nahm ab. Gleichzeitig wurden geringere Konzentrationen von Acetat und der insgesamt gemessenen kurzkettigen Fettsäuren festgestellt. Die Autor:innen kamen deshalb zu dem Schluss, dass hohe Zinkgehalte in der Ration die Artenreichhaltigkeit und fermentative Aktivität der fäkalen Mikrobiota reduzieren können.
Wichtig ist die Einordnung: Diese Ergebnisse bedeuten nicht, dass Zink vermieden werden sollte.
Zink ist ein essenzielles Spurenelement und unter anderem an zahlreichen Enzymfunktionen, der Proteinsynthese und der Zellteilung beteiligt. Besteht ein erhöhter Bedarf oder reicht die Versorgung über die Grundration nicht aus, ist eine Ergänzung sinnvoll.
Die Studie zeigt vielmehr, warum wir auch bei einem essenziellen Mineralstoff keinen pauschalen „Viel hilft viel“-Ansatz verfolgen.
Nicht absorbierte Mineralstoffe verschwinden nicht einfach. Eine weitere Pferdestudie untersuchte die Ausscheidung von Kobalt, Kupfer, Mangan und Zink über den Kot sowie die Auswaschbarkeit dieser Spurenelemente.
Wurden zusätzliche Spurenelemente gefüttert, erhöhte sich auch die Menge bestimmter Mineralstoffe im Kot. Unter den Versuchsbedingungen nahm zudem die potenzielle Auswaschung von unter anderem Kupfer und Zink aus dem Kot zu.
Damit bekommt eine bedarfsgerechte Mineralisierung noch eine weitere Dimension: Nicht benötigte Mineralstoffe können nicht nur für das Pferd ernährungsphysiologisch unnötig sein, sondern anschließend auch über den Mist in die Umwelt gelangen.
Auch das ist kein Argument gegen Mineralstoffergänzung. Es ist ein Argument dafür, die gesamte Ration zu berücksichtigen und Ergänzungen nicht pauschal nach dem Prinzip „mehr Sicherheit durch mehr Mineralstoffe“ vorzunehmen.
Unser Konzept basiert im Wesentlichen auf vier Schritten.
Hochwertiges Raufutter, Weide und eine möglichst vielfältige pflanzliche Ration bilden die Grundlage.
Ziel ist nicht, jeden Nährstoff über ein Ergänzungsfuttermittel zuzuführen, sondern zunächst die natürliche Ration des Pferdes bestmöglich zu gestalten.
Welche Mengen eines Mineralstoffes bereits aufgenommen werden, hängt entscheidend vom Grundfutter und von allen weiteren Futtermitteln ab. Viele werden jedoch bei den meisten Pferden schon durch die natürliche pflanzliche Basis gedeckt (sieh oben).
Eine Raufutteranalyse kann dabei helfen, die Versorgung wesentlich genauer einzuschätzen als allgemeine Tabellenwerte.
Nicht jedes Pferd hat in jeder Situation denselben Bedarf.
Relevant sind unter anderem:
Bedarfswerte dienen dabei als wichtige Orientierung, können aber nie ein Individuum genau abbilden. Sie sollten aber immer zusammen mit der tatsächlichen Ration und der Konstitution des individuellen Pferdes betrachtet werden. Ein rechnerisch geringfügig unterschrittener Wert ist nicht automatisch mit einem klinischen Mineralstoffmangel gleichzusetzen.
Zeigt die Rationsberechnung, Futteranalyse oder fachliche Beurteilung eine Versorgungslücke, kann genau dort ergänzt werden.
Monopräparate können hierbei einen Vorteil haben: Fehlt beispielsweise Zink, muss nicht automatisch gleichzeitig zusätzliches Mangan, Kupfer, Eisen und eine Vielzahl weiterer Stoffe gefüttert werden.
Genau darauf basiert auch unser Konzept bei Natural Equibalance. Mit unseren Mineralstoffprodukten möchten wir einzelne Nährstoffe gezielt in eine bestehende Ration integrieren, statt unabhängig von der Ausgangssituation eine möglichst umfangreiche Mineralstoffmischung zu ergänzen.
Ein stumpfes Fell, brüchiges Horn oder eine verminderte Leistungsfähigkeit werden schnell einem bestimmten Mineralstoffmangel zugeschrieben. Das Problem: Viele dieser Veränderungen sind unspezifisch und können zahlreiche Ursachen haben.
Deshalb sollte eine gezielte Mineralisierung nicht allein nach einzelnen äußeren Symptomen erfolgen. Sinnvoller ist die Kombination verschiedener Informationen:
Gerade bei länger bestehenden oder ausgeprägten gesundheitlichen Veränderungen gehört die Ursachenabklärung in fachliche beziehungsweise tierärztliche Hände.
Mikrobiomfreundlich mineralisieren heißt für uns: nicht pauschal möglichst viel ergänzen, sondern die Versorgung gezielt an das einzelne Pferd und seine bestehende Ration anpassen.
Natürliche Basis schaffen
Hochwertiges Raufutter, Weide und eine möglichst vielfältige pflanzliche Ration bilden die Grundlage der Mineralstoffversorgung.
Gesamte Ration berücksichtigen
Prüfe zuerst, welche Mineralstoffe bereits über Heu, Weide und weitere Futtermittel aufgenommen werden.
Individuellen Bedarf betrachten
Lebensphase, Haltung, Belastung, Futteraufnahme und mögliche Mehrbedarfssituationen können den Mineralstoffbedarf beeinflussen.
Bei Bedarf das Grundfutter analysieren
Eine Futteranalyse kann dabei helfen, die tatsächliche Versorgung besser einzuschätzen und mögliche Versorgungslücken gezielter zu erkennen.
Nur so viel ergänzen wie nötig
Eine höhere Mineralstoffzufuhr bedeutet nicht automatisch eine bessere Versorgung. Ergänzt werden sollte möglichst gezielt dort, wo tatsächlich Bedarf besteht.
Mineralstoffverbindung mitbedenken
Nicht nur die Menge, sondern auch die eingesetzte Verbindung kann Einfluss darauf haben, wie ein Mineralstoff im Verdauungstrakt verfügbar ist und mit dem Darmmikrobiom interagiert.
Das Mikrobiom mitdenken
Nicht vollständig aufgenommene Mineralstoffe können in Blind- und Dickdarm gelangen. Hohe Mengen einzelner Spurenelemente wie Zink können dort nachweisbare Auswirkungen auf die mikrobielle Gemeinschaft haben.
Versorgung regelmäßig neu bewerten
Fütterung und Bedarf können sich verändern. Deshalb sollte auch eine Mineralstoffergänzung regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst werden.