Dysbiose beim Pferd: Darmflora gezielt unterstützen
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Das Darmmikrobiom des Pferdes besteht aus einer riesigen Gemeinschaft aus Bakterien, Pilzen, Viren und weiteren Mikroorganismen. Vor allem im Blind- und Dickdarm übernehmen sie Aufgaben, auf die das Pferd als Raufaserfresser angewiesen ist: Sie fermentieren pflanzliche Fasern und bilden dabei unter anderem kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat. Verändert sich die Zusammensetzung oder Funktion dieser Gemeinschaft ungünstig, sprechen wir von einer Dysbiose beim Pferd. Was das bedeutet und wie wir Pferde gezielt beim Aufbau und Erhalt einer gesunden Darmflora unterstützen können, erklären wir in diesem Artikel.
Eine Dysbiose bedeutet nicht einfach, dass sich „schlechte“ Bakterien vermehren und „gute“ verschwinden. Der Begriff beschreibt Veränderungen in der Zusammensetzung oder Funktion einer mikrobiellen Gemeinschaft. Dabei können Arten verloren gehen, Stoffwechselwege verändert werden oder einzelne Gruppen einen deutlich größeren Anteil einnehmen.
Beim Menschen ist besonders die Verbindung zwischen Mikrobiom und Immunsystem gut untersucht. Mikroorganismen und ihre Stoffwechselprodukte beeinflussen unter anderem die Reifung und Regulation von Immunzellen sowie die Funktion von Schleimhäuten. Veränderungen der mikrobiellen Gemeinschaft werden beispielsweise bei allergischen und chronisch-entzündlichen Erkrankungen beschrieben.
Beim Pferd ist die Datenlage deutlich kleiner. Eine große Untersuchung mit mehr als 2.300 Kotproben konnte jedoch charakteristische Veränderungen der mikrobiellen Gemeinschaft bei Pferden mit akuten gastrointestinalen Erkrankungen nachweisen.
Ein wichtiger Parameter ist dabei die mikrobielle Vielfalt. Unterschiedliche Mikroorganismen übernehmen unterschiedliche Aufgaben bei der Fermentation pflanzlicher Nahrung und bei der Bildung mikrobieller Stoffwechselprodukte.
Artenvielfalt bedeutet deshalb auch funktionelle Vielfalt.
Das heißt nicht, dass ein Mikrobiom allein anhand einer möglichst hohen Diversität als gesund eingestuft werden kann. Aber der Verlust von Arten reduziert die Zahl der Mikroorganismen und Stoffwechselwege, auf die das System zurückgreifen kann.
Warum ein diverses Darmmikrobiom beim Pferd mit Gesundheit und Stabilität in Verbindung gebracht wird, erklären wir ausführlicher in einem eigenen Beitrag.
Der Verlust biologischer Vielfalt betrifft nicht nur Pflanzen und Tiere. Auch mikrobielle Ökosysteme verändern sich, wenn natürliche Böden verschwinden, Flächen versiegelt werden und der Kontakt zu einer vielfältigen Vegetation abnimmt.
Für den Menschen wird inzwischen untersucht, welche Folgen dieser veränderte Umweltkontakt für das körpereigene Mikrobiom hat.
Ein interessantes Beispiel stammt aus Finnland. Dort wurden die zuvor eher sterilen Außenbereiche mehrerer Kindertagesstätten mit Waldboden, Pflanzen und anderen natürlichen Materialien angereichert. Bereits nach wenigen Wochen ließen sich Veränderungen der mikrobiellen Gemeinschaften der Kinder und verschiedener Marker der Immunregulation feststellen. Die ursprüngliche Studie umfasste 75 Kinder in zehn Kindertagesstätten. Der Versuch zeigt sehr konkret, wie eng die mikrobielle Umwelt und das Mikrobiom eines Organismus miteinander verbunden sind.
Der Guardian hat diese Forschungsarbeiten 2025 ausführlich aufgegriffen und beschreibt auch die inzwischen weitergeführten finnischen Projekte, bei denen Außenbereiche von Kindergärten gezielt wieder mit mehr biologischer und mikrobieller Vielfalt ausgestattet werden.
Mehr über das finnische Projekt und die Verbindung zwischen Umweltbiodiversität und menschlichem Mikrobiom findest du im Beitrag des Guardian (auf Englisch).
Hauspferde leben heute oft unter völlig anderen mikrobiellen Bedingungen als frei lebende Pferde.
Das lässt sich inzwischen auch im Darmmikrobiom nachweisen. Eine Studie verglich das fäkale Mikrobiom von 57 domestizierten und frei lebenden Pferden aus verschiedenen Regionen auf drei Kontinenten. Die Forschenden fanden deutliche Unterschiede zwischen beiden Gruppen. Bei frei lebenden Pferden waren unter anderem Gene für mikrobielle Enzyme des Kohlenhydratstoffwechsels häufiger vertreten. Insgesamt beschrieben die Autoren das Mikrobiom der domestizierten Pferde als verarmt und nannten Fütterung, Antibiotikaexposition und Hygiene als wahrscheinliche Einflussfaktoren.
Das ist für Pferde besonders relevant, weil ihre Verdauung in hohem Maß von Mikroorganismen abhängt. die pflanzliche Fasern im Blind- und Dickdarm fermentieren. Welche Mikroorganismen dort leben und welche Stoffwechselprodukte sie bilden, hängt auch davon ab, welches Futter ihnen regelmäßig zur Verfügung steht.
Wild und naturnah lebende Pferde fressen nicht einfach nur Gras. Auf ihrem Speiseplan stehen unterschiedliche Gräser, Kräuter, Blätter, Zweige, Rinden, Samen und weitere Pflanzenteile. Damit nehmen sie nicht nur verschiedene Fasern und sekundäre Pflanzenstoffe auf, sondern kommen auch kontinuierlich mit einer vielfältigen Umweltmikrobiota in Kontakt.
Weideflächen, befestigte Paddocks und Stallhaltung bieten eine andere mikrobielle Umgebung als große, heterogene Landschaften mit verschiedenen Böden und Pflanzen. Die Verarmung der Ernährung und die Verarmung der mikrobiellen Umwelt lassen sich deshalb nicht voneinander trennen.
Die moderne Pferdefütterung zudem besteht häufig aus wenigen Pflanzenarten, Heu, Gras und verschiedenen Ergänzungsfuttermitteln. Auch Medikamente, abrupte Futterwechsel und hohe Mengen einzelner Mineralstoffe können das Darmmikrobiom beeinflussen.
Der Verdacht auf eine Dysbiose steht im Raum - was häufig als nächstes folgt ist eine Darmfloraanalyse. Wie sinnvoll ist das eigentlich?
Bei Verdauungsproblemen wird häufig eine sogenannte Darmfloraanalyse beim Pferd empfohlen. Das Problem: Viele klassische Darmfloraanalysen untersuchen das Darmmikrobiom überhaupt nicht umfassend.
Bei diesen Tests wird eine Kotprobe ins Labor geschickt und bestimmte Mikroorganismen werden kultiviert. Nachgewiesen werden können damit vor allem Keime, die
Ein großer Teil der Mikroorganismen des Pferdedarms lässt sich auf diese Weise jedoch nicht erfassen.
Von wenigen kultivierbaren Bakterien auf ein hochkomplexes Darmmikrobiom zu schließen, ist wie der Blick durch ein Schlüsselloch auf einen ganzen Raum.
Problematisch wird es vor allem dann, wenn anhand einzelner Werte wie Lactobacillus, Enterococcus oder E. coli eine Dysbiose beim Pferd diagnostiziert wird. Ein niedriger Lactobazillen-Wert bedeutet nicht automatisch, dass dem Pferd Lactobazillen fehlen. Und ein hoher oder niedriger Wert eines einzelnen Keims sagt nur sehr begrenzt etwas über die Funktion des gesamten Mikrobioms aus.
Moderne Mikrobiomforschung arbeitet mit DNA-basierten Sequenzierverfahren. Dadurch kann ein wesentlich größerer Teil der mikrobiellen Gemeinschaft erfasst werden. Aber auch hier gilt: Eine Kotprobe bildet vor allem die fäkale Mikrobiota ab. Sie ist nicht identisch mit allen mikrobiellen Gemeinschaften in Blinddarm, Colon oder an der Darmschleimhaut.
Eine DNA-basierte Mikrobiomanalyse kann deshalb deutlich mehr Informationen liefern als eine klassische Kulturanalyse. Eine allgemeingültige klinische Dysbiose-Diagnose mit festen Sollwerten gibt es daraus aber bisher nicht. Gezielte Untersuchungen auf bestimmte Krankheitserreger sind davon natürlich zu unterscheiden.
Auf eine auffällige Darmfloraanalyse folgt häufig die Empfehlung, bestimmte Bakterien zuzufüttern. Besonders verbreitet sind Milchsäurebakterien wie Lactobacillus, Bifidobacterium, Streptococcus oder Enterococcus.
Das Grundproblem bleibt jedoch: Mit wenigen ausgewählten Bakterienstämmen lässt sich die enorme mikrobielle Vielfalt des Pferdedarms nicht ersetzen. Viele dieser Bakterien spielen zudem nicht die zentrale Rolle bei der Faserfermentation, für die das Dickdarmmikrobiom des Pferdes spezialisiert ist. Milchsäurebakterien produzieren Laktat. Gerade unter Bedingungen mit vielen leicht fermentierbaren Kohlenhydraten kann eine verstärkte Laktatbildung mit einem Absinken des pH-Wertes verbunden sein.
Deshalb sind solche Produkte keine allgemeingültige Lösung für eine Dysbiose beim Pferd. Auch der Begriff „Darmsanierung“ vermittelt ein falsches Bild. Das Darmmikrobiom lässt sich nicht innerhalb einiger Wochen reinigen und anschließend neu besiedeln.
Ein Mikrobiom ist kein renovierungsbedürftiges Haus. Es ist ein Ökosystem, das jeden Tag neu durch Fütterung, Umwelt und Haltung geprägt wird.
Wer die Darmflora beim Pferd aufbauen möchte, sollte deshalb nicht zuerst nach dem nächsten Darmprodukt suchen. Die Grundlage ist eine langfristig mikrobiomfreundliche Fütterung und Haltung.
Unterschiedliche Pflanzen liefern unterschiedliche Fasern, Kohlenhydratstrukturen und sekundäre Pflanzenstoffe. Geeignete Gräser, Kräuter, Blätter, Zweige, Saaten und andere natürliche Pflanzenbestandteile können deshalb helfen, die Fütterung vielfältiger zu gestalten.
Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Zutaten in den Trog zu werfen. Vielfalt bedeutet nicht „viel von allem“, sondern eine möglichst natürliche Bandbreite geeigneter Pflanzen.
Das Darmmikrobiom passt sich an das vorhandene Futter an.
Abrupte Futterwechsel verändern innerhalb kurzer Zeit die Nährstoffe, die den Mikroorganismen im Blind- und Dickdarm zur Verfügung stehen. Neue Futtermittel und Weidegras sollten deshalb immer langsam eingeführt werden.
Auch Haltung und Umwelt prägen das Mikrobiom.
Weidegang, unterschiedliche Pflanzen, natürliche Böden, Bewegung und Sozialkontakt gehören deshalb zu einer mikrobiomfreundlichen Haltung.
Mineralstoffe sind essenziell. Das bedeutet aber nicht, dass möglichst hohe Mengen automatisch besser sind. Nicht vollständig aufgenommene Mineralstoffe gelangen in den Dickdarm und treffen dort direkt auf das Mikrobiom.
Besonders für Zink gibt es Hinweise darauf, dass hohe Mengen die mikrobielle Zusammensetzung, Artenvielfalt und Fermentationsaktivität beeinflussen können. Das ist einer der Gründe, warum wir Mineralstoffe nicht pauschal nach dem Prinzip „alles täglich abdecken“ ergänzen sollten.
Eine mikrobiomfreundliche Mineralisierung bedeutet: bedarfsgerecht ergänzen und unnötige Überschüsse vermeiden.
Warum auch die Mineralstoffversorgung Einfluss auf das Darmmikrobiom haben kann und weshalb bedarfsgerechte Ergänzung wichtig ist, liest du hier.
Bei einer Dysbiose der Darmflora beim Pferd ist nicht nur entscheidend, welche Bakterien vorhanden sind.
Mindestens genauso interessant ist, was das Mikrobiom produziert.
Ein wichtiges Stoffwechselprodukt ist Butyrat. Butyrat gehört zu den kurzkettigen Fettsäuren und entsteht bei der mikrobiellen Fermentation pflanzlicher Kohlenhydrate. Es steht in engem Zusammenhang mit der Ernährung der Darmschleimhaut und der Funktion der intestinalen Barriere.
Ein funktionierendes Mikrobiom zeichnet sich deshalb nicht nur durch seine Zusammensetzung aus, sondern auch durch seine Stoffwechselleistung.
BiomeSupport liefert geschütztes Tributyrin als Butyratquelle. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, mit einem Produkt die komplette Darmflora „wiederherzustellen“. BiomeSupport ist eine gezielte Ergänzung innerhalb eines mikrobiomfreundlichen Gesamtkonzeptes. Pflanzenvielfalt, eine raufaserbasierte Fütterung, natürliche Umweltkontakte und die Reduktion unnötiger Störfaktoren bleiben die Grundlage.
Welche Rolle Butyrat im Darm spielt und warum diese kurzkettige Fettsäure für die Funktion des Mikrobioms so interessant ist, erfährst du hier.
Eine Dysbiose beim Pferd lässt sich nicht auf einen einzelnen Bakterienwert reduzieren. Und die Darmflora des Pferdes lässt sich nicht mit einigen probiotischen Stämmen innerhalb weniger Wochen neu aufbauen.
Das Mikrobiom ist ein komplexes Ökosystem. Je natürlicher wir seine Lebensbedingungen gestalten, desto besser schaffen wir die Grundlage dafür, dass sich dieses System selbst stabilisieren kann.
Genau deshalb bedeutet mikrobiomfreundliche Pferdefütterung Pflanzenvielfalt zu fördern, unnötige Eingriffe zu reduzieren und die Bedürfnisse eines raufaserfressenden Pferdes wieder stärker in den Mittelpunkt zu stellen.