Zum Inhalt springen

Warenkorb

Dein Warenkorb ist leer

Natürliche Proteinquellen im Pferdefutter: von Luzerne Cobs bis Hanfkuchen

Natürliche Proteinquellen im Pferdefutter: von Luzerne Cobs bis Hanfkuchen

Geschrieben von: Natural Equibalance

|

|

Lesezeit 6 min

Wer die Proteinversorgung seines Pferdes gezielt ergänzen möchte, hat weit mehr Möglichkeiten als isolierte Aminosäuren. Verschiedene natürliche Futtermittel liefern hochwertiges pflanzliches Protein und bringen gleichzeitig weitere wertvolle Nährstoffe mit.

Dazu gehören beispielsweise Luzerne Cobs, Esparsette Cobs, Presskuchen aus verschiedenen Ölsaaten oder proteinreiche Saaten.

Dabei ist Proteinquelle nicht gleich Proteinquelle. Die Futtermittel unterscheiden sich nicht nur im Rohproteingehalt und Aminosäureprofil, sondern auch in ihrem Energiegehalt, ihrer Mineralstoffzusammensetzung und weiteren ernährungsphysiologischen Eigenschaften.

Luzerne Cobs als Proteinquelle

Luzerne gehört zu den Leguminosen. Leguminosen leben in Symbiose mit stickstofffixierenden Bakterien, sogenannten Knöllchenbakterien, an ihren Wurzeln. Diese Bakterien können Stickstoff aus der Luft binden und in pflanzenverfügbare Stickstoffverbindungen umwandeln. Dadurch steht der Pflanze mehr Stickstoff für den Aufbau von Aminosäuren und Proteinen zur Verfügung, weshalb Leguminosen häufig besonders proteinreich sind.
Luzerne liefert neben Protein auch strukturreiche Pflanzenbestandteile und vergleichsweise viel Calcium.

Die Fütterung kann deshalb beispielsweise interessant sein:


  • zur Ergänzung von proteinarmem Heu
  • bei einem erhöhten Bedarf an Protein oder essenziellen Aminosäuren
  • während gezielten Muskelaufbaus
  • bei stark energiebegrenzten Rationen, wenn dadurch die Proteinaufnahme knapp wird
  • bei dauerhaft bedampftem Heu
  • bei älteren Pferden, deren normale Heuaufnahme eingeschränkt ist

Ob und in welcher Menge Luzerne sinnvoll ist, hängt dabei aber immer von der gesamten Ration ab.

Luzerne Pferdefutter

Luzerne Cobs als Magenfutter fürs Pferd?

Luzernecobs sind nicht nur als natürliche Proteinquelle interessant, sondern können auch als Bestandteil eines magenfreundlichen Pferdefutters eingesetzt werden. Dafür sind vor allem ihre hohe Säurebindungskapazität sowie ihr Gehalt an Protein und Calcium relevant.

In Pferdestudien führte eine luzernehaltige Ration zu höheren pH-Werten im Magen und zu weniger beziehungsweise weniger schweren Läsionen der kutanen Magenschleimhaut. Als mögliche Erklärung nannten die Autoren insbesondere die hohe Pufferkapazität der Luzerne durch Protein und Calcium.
Proteine besitzen funktionelle Gruppen, die abhängig vom pH-Wert Protonen aufnehmen können und dadurch zur Säurebindung beitragen. Calciumverbindungen können ebenfalls Säure binden. Luzerne vereint beide Eigenschaften und ist deshalb ernährungsphysiologisch ein interessantes Futtermittel für eine magenfreundliche Ration.

Luzerne Cobs Pferdefutter

Bei Luzerne kommt es auch auf die Darreichungsform an

Dass Luzerne grundsätzlich wertvolle Eigenschaften besitzt, bedeutet allerdings nicht, dass jede Form für einen empfindlichen Pferdemagen gleichermaßen geeignet ist.
Wissenschaftler der Universität Leipzig untersuchten deshalb gezielt, welchen Einfluss die Partikelgröße von Luzerne auf die Magenschleimhaut hat.

In einer Studie mit 70 Absetzfohlen wurden Gras-Heu, Luzernehäcksel und Luzernepellets miteinander verglichen. Nach dem Absetzen waren die Veränderungen am Pylorus bei den mit Luzernehäckseln gefütterten Fohlen signifikant stärker als bei den anderen Fütterungsgruppen. Bei den Luzernepellets zeigte sich dieser Effekt am Pylorus dagegen nicht. Die Autoren kamen deshalb zu dem Schluss, dass die Partikelgröße bei der Wirkung von Luzerne auf die Magenschleimhaut eine Rolle spielen könnte.

Auch bei ausgewachsenen Pferden wurde dieser Zusammenhang untersucht. Sechs ältere Wallache erhielten entweder Gras-Heu oder 1,5 kg Luzernehäcksel pro 100 kg Körpergewicht. Nach zwölf Tagen Luzernehäckselfütterung nahmen die Veränderungen der glandulären Magenschleimhaut im Bereich des Antrums zu. Nachdem die Luzernehäcksel anschließend für 16 Tage abgesetzt worden waren, gingen die Veränderungen wieder zurück.
Als mögliche Ursache wird diskutiert, dass gröbere und härtere Luzernepartikel die empfindliche glanduläre Schleimhaut mechanisch stärker reizen könnten. Die Untersuchungen zeigen damit nicht, dass Luzerne an sich „schlecht für den Magen“ ist. Vielmehr scheinen sowohl die Verarbeitung als auch die eingesetzte Menge eine Rolle zu spielen.

Für magenempfindliche Pferde sind fein verarbeitete Formen wie Luzernepellets beziehungsweise eingeweichte Luzerne Cobs deshalb besonders interessant. Sie verbinden die ernährungsphysiologischen Vorteile der Luzerne mit einer deutlich weicheren Futterstruktur. Wer Luzerne als Magenfutter fürs Pferd einsetzen möchte, sollte die Darreichungsform deshalb bewusst auswählen.

Luzerne sollte aber aber nicht als vollständiger Heuersatz eingesetzt werden. Je nach Körpergewicht empfehlen wir maximal etwa 2 kg pro Tag. 

Luzerne Häcksel
Luzernehäcksel können die empfindliche glanduläre Schleimhaut mechanisch stärker reizen und sind daher bei einem empfindlichen Magen des Pferdes besser zu vermeiden.

Das Calcium-Phosphor-Verhältnis im Blick behalten

Neben hochwertigem Protein liefert Luzerne vergleichsweise viel Calcium. Luzerne weist daher typischerweise ein deutlich weiteres Calcium-Phosphor-Verhältnis auf als viele andere Futtermittel. Wird sie in größeren Mengen eingesetzt, sollte deshalb nicht nur die Proteinversorgung, sondern auch das Calcium-Phosphor-Verhältnis der Gesamtration betrachtet werden.
Phosphorreichere Futtermittel wie verschiedene Saaten, Presskuchen oder Getreide können je nach bestehender Ration eine passende Ergänzung sein, um der Ration Phosphor zuzuführen und das Verhältnis zu optimieren.

Esparsette: Eine interessante Alternative zu Luzerne

Esparsette gehört wie Luzerne zu den Leguminosen und liefert ebenfalls hochwertiges pflanzliches Protein.
Sie kann deshalb besonders dann interessant sein, wenn eine proteinarme Grundration ergänzt werden soll oder ein Pferd Luzerne nicht gut verträgt.
Beide Pflanzen haben einige Gemeinsamkeiten: Sie liefern Protein, strukturreiche Pflanzenbestandteile und können Bestandteil einer magen- und darmfreundlichen Ration sein.

Eine Besonderheit der Esparsette ist jedoch ihr vergleichsweise hoher Anteil an kondensierten Gerbstoffen, den sogenannten Tanninen. Dabei handelt es sich um sekundäre Pflanzenstoffe aus der Gruppe der Polyphenole, die je nach Menge unterschiedliche Wirkungen entfalten können.

In moderaten Mengen sind vor allem drei Eigenschaften der kondensierten Tannine ernährungsphysiologisch interessant:

  • Adstringierend: Tannine können die Schleimhautoberfläche verdichten und dadurch beruhigend wirken.
  • Antimikrobiell: Sie können das Wachstum bestimmter Bakterien und Pilze hemmen.
  • Antidiarrhöisch: Durch ihre adstringierende Wirkung können sie die Darmschleimhaut stabilisieren und bei Durchfall unterstützend wirken.

Gerade diese Wirkungen machen Esparsette zu einer interessanten Futterpflanze für magen- und darmempfindliche Pferde.
Die Menge spielt dabei jedoch eine wichtige Rolle. In höheren Konzentrationen können Tannine nicht nur mit Schleimhautproteinen, sondern auch mit Nahrungsproteinen und Verdauungsenzymen reagieren. Dadurch kann die Verdaulichkeit von Protein und anderen Nährstoffen sinken.
Esparsette sollte deshalb eher in moderaten Mengen gefüttert werden und stellt dann in der Praxis eine interessante Alternative zu Luzerne dar.

Esparsette Pferd

Presskuchen als natürliche Proteinquelle

Auch Presskuchen aus Ölsaaten können eine wertvolle natürliche Proteinquelle im Pferdefutter sein. Sie entstehen bei der mechanischen Pressung von Ölsaaten. Dabei wird ein Teil des Öls entzogen, während Protein, Faser, Restöl und weitere natürliche Pflanzenbestandteile im Presskuchen zurückbleiben. Der Proteinanteil ist dadurch im Verhältnis zur ursprünglichen Saat stärker konzentriert.

Je nach Ausgangssaat kommen beispielsweise Hanf-, Lein- oder Sonnenblumenpresskuchen infrage. Sie unterscheiden sich in ihrem Proteingehalt, ihrem Aminosäureprofil, der enthaltenen Faser und der Menge des verbliebenen Öls.

Gerade diese Kombination macht Presskuchen interessant: Sie liefern nicht nur Protein, sondern je nach Saat auch Fettsäuren, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Leinkuchen enthält beispielsweise zusätzlich typische Schleimstoffe des Leinsamens, die für den Verdauungstrakt interessant sein können.

Für die Qualität spielt die Verarbeitung eine wichtige Rolle. Kaltgepresste Presskuchen sind von Extraktionsschroten oder stärker verarbeiteten Nebenprodukten der Ölgewinnung zu unterscheiden. Da sie noch Restöl enthalten, sollten sie außerdem kühl, trocken und lichtgeschützt gelagert werden, um Oxidationsprozesse möglichst gering zu halten.

Leinkuchen Presskuchen Pferdefutter

Fazit: Luzerne, Esparsette oder Presskuchen – was passt zu welchem Pferd?

Welche natürliche Proteinquelle im Pferdefutter sinnvoll ist, hängt immer von der gesamten Ration ab.

Luzerne Cobs können besonders interessant sein, wenn neben Protein auch eine hohe Säurebindungskapazität und viel Calcium gewünscht sind.
Esparsette bietet sich als Alternative an, wenn eine proteinreiche Leguminose mit zusätzlichen kondensierten Tanninen gesucht wird oder Luzerne nicht optimal vertragen wird.
Presskuchen können sinnvoll sein, wenn neben Protein auch zusätzliche Energie zugeführt werden soll. Durch das enthaltene Restöl sind sie in der Regel energiereicher und liefern gleichzeitig Faser sowie weitere Bestandteile der jeweiligen Ölsaat.


Auch eine Kombination verschiedener natürlicher Proteinquellen kann sehr sinnvoll sein. So lassen sich nicht nur unterschiedliche Aminosäureprofile miteinander ergänzen, sondern auch andere Nährstoffe der Gesamtration besser ausbalancieren. Ein gutes Beispiel ist das Calcium-Phosphor-Verhältnis: Luzerne liefert vergleichsweise viel Calcium und wenig Phosphor, während viele Presskuchen aus Ölsaaten mehr Phosphor als Calcium enthalten. Je nach Ausgangsration können sich beide Proteinquellen deshalb gut ergänzen.

Es geht also nicht darum, eine Proteinquelle grundsätzlich als besser oder schlechter einzustufen. Entscheidend ist, welche Kombination am besten zu Heu, Energiebedarf, Mineralstoffversorgung, Verdauung und individuellem Bedarf des Pferdes passt.

Wer zunächst verstehen möchte, wie viel Protein ein Pferd überhaupt benötigt, welche Rolle essenzielle Aminosäuren spielen und warum Rohprotein allein wenig über die tatsächliche Versorgung aussagt, findet die Grundlagen dazu in unserem Artikel zur Proteinversorgung beim Pferd.

Quellen

  • Nadeau, J. A., Andrews, F. M., Mathew, A. G., Argenzio, R. A., Blackford, J. T., Sohtell, M. & Saxton, A. M. (2000). Evaluation of diet as a cause of gastric ulcers in horses. American Journal of Veterinary Research, 61(7), 784–790. DOI: 10.2460/ajvr.2000.61.784.
  • Vondran, S., Venner, M. & Vervuert, I. (2016). Effects of two alfalfa preparations with different particle sizes on the gastric mucosa in weanlings: alfalfa chaff versus alfalfa pellets. BMC Veterinary Research, 12, 110. DOI: 10.1186/s12917-016-0733-5.
  • Vondran, S., Venner, M., Coenen, M. & Vervuert, I. (2017). Effects of alfalfa chaff on the gastric mucosa in adult horses. Pferdeheilkunde – Equine Medicine, 33(1), 66–71.
    DOI: 10.21836/PEM20170109.