Artikel: Was fressen Pferde eigentlich wirklich und was bedeutet das für ihr Mikrobiom?

Was fressen Pferde eigentlich wirklich und was bedeutet das für ihr Mikrobiom?
Wenn man sich anschaut, wie Pferde heute gefüttert werden, dann ist das meistens ziemlich reduziert. Heu, Gras, Mineralfutter. Fertig.
Was dabei aber oft untergeht: So sieht die ursprüngliche Ernährung eines Pferdes ziemlich sicher nicht aus. Das ist kein Bauchgefühl, sondern das sieht man inzwischen auch ganz gut in Studien.
Wildlebende Pferde fressen nicht nur Gras
Eine neuere Arbeit aus 2025 von Buchanan hat sich angeschaut, was wildlebende Pferde tatsächlich aufnehmen. Da kommt man ziemlich schnell weg von diesem Bild „Pferd = Grasfresser“. Gräser spielen eine große Rolle, klar. Aber eben nicht alleine.
Im Schnitt sind nur etwa die Hälfte der aufgenommenen Pflanzen Gräser. Mal mehr, mal weniger, natürlich auch mit Veränderungen im Jahresverlauf. Der Rest sind Kräuter, Sträucher, teilweise auch Gehölze. Also genau die Dinge, die im Stall leider oft gar nicht oder nur sehr eingeschränkt vorkommen.

Die Ernährung spiegelt dabei nicht einfach nur die vorhandene Vegetation wider. Pferde selektieren aktiv und nutzen ein breites Pflanzenspektrum, selbst im Extremfall, in dem Gras bis zu etwa 80 Prozent der Nahrung ausmacht und damit den oberen Rand darstellt.
Das passt übrigens ganz gut zu älteren Daten. In der australischen Studie von Hampson von 2011 lag der Grasanteil auch nur irgendwo im mittleren Bereich und ein relevanter Teil kam aus anderen Pflanzen wie Kräutern, Sträuchern, Gehölzen und Samenanteilen von Gräsern. In der Studie wurden zum Beispiel Sträucher wie Sanddorn oder auch Weidenarten nachgewiesen, dazu kommen typische Kräutergruppen wie Löwenzahn oder Disteln.
Wenn man das einmal so gesehen hat, fällt es schwer, das Pferd noch als reinen Grasfresser zu betrachten.
Was hat das mit dem Mikrobiom zu tun?
In einer Studie von Metcalf von 2017 wurden wildlebende Przewalski-Pferde mit domestizierten Pferden verglichen. Und da sieht man relativ klar, dass sich die Mikrobiome unterscheiden. Nicht nur ein bisschen, sondern wirklich deutlich. Die wildlebenden Tiere hatten eine höhere Diversität und auch eine andere Zusammensetzung.
Naheliegend ist natürlich die Frage, woran das liegt. Und ein zentraler Punkt dabei ist die Ernährung. Das Mikrobiom lebt letztlich von dem, was im Dickdarm ankommt. Unterschiedliche Pflanzen liefern unterschiedliche Substrate, und darauf reagieren die mikrobiellen Gemeinschaften. In der Studie selbst werden Unterschiede in der aufgenommenen Pflanzenzusammensetzung entsprechend als Einflussfaktor genannt
Gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass Ernährung nicht der einzige Einfluss ist.

Besonders interessant sind die Tiere, die im Zoo geboren wurden und später ausgewildert wurden. Diese Pferde hatten ein ebenfalls weniger diverses Mikrobiom, obwohl sie später in der gleichen Umgebung und mit vergleichbarer Nahrung lebten wie die anderen
Das zeigt ziemlich gut, dass das Mikrobiom nicht nur durch das Futter geprägt wird, sondern auch durch den gesamten Lebenskontext. Also durch die Umwelt, die Mikroorganismen, mit denen ein Tier in Kontakt kommt, und auch durch soziale Faktoren innerhalb der Herde, die ebenfalls eine Quelle für Mikroorganismen sind. Man kann sich das vorstellen, wie bei einer Ansteckung mit einem Krankheitserreger, nur eben positiv. Also quasi eine Ansteckung mit mit nützlichen Mikroorganismen.
Trotzdem sollte man die Rolle der Fütterung dabei nicht unterschätzen. Sie liefert die Grundlage, auf der sich das Mikrobiom überhaupt entwickelt. Die Umwelt bringt Mikroorganismen ein, aber das, was gefressen wird, entscheidet maßgeblich darüber, welche davon sich im Darm halten und vermehren können.
Wenn man das zusammennimmt, ergibt sich eigentlich ein recht klares Bild: Es ist nicht ein einzelner Faktor, sondern das Zusammenspiel aus vielfältiger Nahrung und vielfältiger Umwelt, das ein entsprechend komplexes Mikrobiom ermöglicht.
Ist ein „diverses Mikrobiom“ überhaupt wichtig?
Der zweite Punkt, der oft diskutiert wird, ist diese Sache mit der Diversität, Also ob ein diverses Mikrobiom überhaupt sinnvoll oder wichtig ist.
In der neueren Arbeit von McAdams et al. (2025) zeigt sich ziemlich deutlich, dass sich gesunde und erkrankte Pferde auch auf Ebene des Mikrobioms unterscheiden. Pferde mit akuten gastrointestinalen Problemen weisen eine reduzierte mikrobielle Vielfalt auf, also eine geringere „Richness“ und Diversität im Vergleich zu gesunden Tieren
Das ist kein theoretisches Konzept, sondern etwas, das in wirklich großen Datensätzen tatsächlich beobachtet wird.
Heißt das jetzt automatisch „je mehr Diversität, desto besser“? So einfach ist es nicht.
Aber man sieht eben sehr konsistent, dass ein Verlust an Diversität mit Veränderungen einhergeht, die im Zusammenhang mit Erkrankungen stehen. Und zwar nicht nur minimal, sondern auf Ebene der gesamten mikrobiellen Gemeinschaft.
Das ist der entscheidende Punkt: Es geht nicht darum, maximale Diversität anzustreben, sondern zu verstehen, dass ein reduziertes oder verschobenes Mikrobiom sehr häufig nicht neutral ist.
Was bedeutet das für eine mikrobiomfreundliche und -fördernde Fütterung?
Was man aus den Studien insgesamt mitnehmen kann, ist weniger ein konkretes „so muss man füttern“, sondern eher ein besseres Verständnis dafür, wie dieses System ursprünglich funktioniert hat.
Wildlebende Pferde fressen nicht nur Gras. Sie nehmen regelmäßig unterschiedliche Pflanzen auf, darunter auch strukturreiche und sekundärstoffreiche Komponenten. Gleichzeitig sieht man, dass ihr Mikrobiom sich von dem domestizierter Pferde unterscheidet und eine höhere Diversität aufweist.
Und parallel dazu sieht man in klinischen Daten, dass genau diese Diversität bei Erkrankungen oft abnimmt.

Fütterung ist dabei nicht der einzige Faktor, aber sie liefert die Grundlage für das gesamte System. Das Mikrobiom ernährt sich von dem, was das Pferd aufnimmt. Und wenn sich diese Grundlage verändert, verändert sich in der Regel auch das System, das darauf aufbaut.
Unser Ansatz für mehr pflanzliche Vielfalt im Alltag
Und genau an der Stelle setzen auch unsere Daily-Produkte an. Nicht mit dem Anspruch, die natürliche Ernährung eins zu eins nachzubilden, sondern eher als Ergänzung für das, was im Stallalltag oft fehlt. Also verschiedene pflanzliche Komponenten, die über Gras und Heu hinausgehen. Mit DailyFibers zum Beispiel eher die strukturellen Anteile wie Rinden und Wurzeln, mit DailyBerries die Fruchtbestandteile und sekundären Pflanzenstoffe und mit DailySeeds die Samen mit ihren Fettsäuren und Nährstoffen. Am Ende geht es weniger darum, möglichst viel reinzugeben, sondern die Ration etwas breiter aufzustellen. Einfach, weil das näher an dem ist, was Pferde ursprünglich aufgenommen haben.
Quellen
C. E. Buchanan et al., “Free-Roaming Horse Diet and Body Condition Differences Across Seasons and Ecologically Diverse Herd Management Areas,” Rangel. Ecol. Manag., vol. 103, pp. 230–246, Nov. 2025.
B. A. Hampson et al., “Nutritional analysis of gastric contents and body condition score at a single time point in feral horses in Australia,” Am. J. Vet. Res., vol. 72, no. 9, pp. 1226–1233, Sep. 2011.
J. L. Metcalf et al., “Evaluating the impact of domestication and captivity on the horse gut microbiome,” Sci. Reports 2017 71, vol. 7, no. 1, pp. 1–9, Nov. 2017.
Z. L. McAdams et al., “A novel dataset of 2,362 equine fecal microbiomes from veterinary teaching hospitals across three countries reveals effects of geography and disease,” Anim. Microbiome 2025 71, vol. 7, no. 1, pp. 124-, Dec. 2025.


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